Warum viele Produkte plötzlich teurer werden – und warum das nicht immer am Händler liegt
“In den letzten Wochen habe ich diese Frage immer häufiger gehört: ‘Geht da preislich nicht noch etwas?’ oder ‘Warum dauert das plötzlich so lange?’
Die kurze Antwort: Weil sich die Spielregeln im internationalen Handel verändert haben.”
Niemand freut sich darüber, Preise anheben zu müssen. Weder der Kunde noch der Händler. Doch die Realität sieht inzwischen leider anders aus.
Viele Preissteigerungen entstehen heute lange bevor ein Produkt überhaupt in meinem Unternehmen ankommt.
Die Wahrheit beginnt nicht erst beim Verkauf
Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Händler den Preis einfach festlegt.
In Wirklichkeit beginnt die Kalkulation viel früher.
Bevor ein T-Shirt bedruckt werden kann, müssen zunächst unzählige Materialien produziert, transportiert und importiert werden.
Das betrifft nicht nur Textilien.
Es betrifft nahezu alles, womit wir täglich arbeiten.
Zum Beispiel:
- DTF-Folie
- DTF-Tinte
- DTF-Pulver
- UV-DTF-Materialien
- Sublimationstinte
- Sublimationspapier
- Transferpapier
- Plotterzubehör
- Stickgarn
- Stickvliese
- Rohlinge für Tassen, Flaschen und Schilder
- Textilien wie T-Shirts, Hoodies oder Poloshirts
- Werkzeuge
- Verpackungsmaterial
- Elektronik
- Maschinenersatzteile
Diese Liste könnte ich noch lange fortsetzen
„Dann kauf doch einfach in Europa.“
Dieser Satz klingt zunächst logisch.
Die Realität sieht jedoch anders aus.
Viele Produkte werden in Europa gar nicht oder nur in sehr kleinen Mengen hergestellt.
Selbst viele europäische Großhändler kaufen ihre Ware in:
- China
- Vietnam
- Bangladesch
- Indien
- Pakistan
- Taiwan
Der Unterschied besteht lediglich darin, dass der Import bereits vom Großhändler übernommen wurde.
Die Ware ist dadurch nicht plötzlich europäisch produziert.
Sie wurde lediglich früher importiert.
Die Importkosten bleiben trotzdem Bestandteil des Endpreises.
Warum steigen die Preise wirklich?
Ein Produkt besteht heute längst nicht mehr nur aus Material und Arbeitszeit.
Mittlerweile fließen unter anderem ein:
- gestiegene Rohstoffpreise
- höhere Energiepreise
- steigende Lohnkosten
- höhere Transportkosten
- Verpackungskosten
- Versicherungen
- Softwarelizenzen
- Maschinenwartung
- Plattformgebühren
- Zahlungsgebühren
- Versandkosten
- neue Importregelungen
- Zoll- und Einfuhrabgaben
- zusätzlicher Verwaltungsaufwand
Jeder einzelne dieser Punkte erhöht den Einkaufspreis.
Und genau deshalb verändert sich am Ende auch der Verkaufspreis.
Kleine Unternehmen trifft es besonders
Ein internationaler Konzern kauft ganze Container.
Ich bestelle deutlich kleinere Mengen.
Deshalb bekomme ich völlig andere Einkaufspreise.
Steigen die Kosten, treffen sie kleine Unternehmen oft wesentlich schneller.
Nicht weil wir schlechter wirtschaften.
Sondern weil wir ganz andere Einkaufsmengen haben.
Mehr Preis bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn
Das ist wahrscheinlich das größte Missverständnis.
Viele glauben:
„Wenn ein Produkt heute teurer ist, verdient der Händler automatisch mehr.“
In der Praxis ist häufig genau das Gegenteil der Fall.
Oft steigen lediglich die Kosten.
Die Preisanpassung sorgt lediglich dafür, dass am Ende ungefähr derselbe Gewinn übrig bleibt wie früher.
Manchmal sogar weniger.
Hinter jedem Angebot steckt deutlich mehr als nur eine Zahl
Was viele nicht sehen:
Bevor ein Angebot überhaupt beim Kunden ankommt, sind oft bereits Stunden vergangen.
Diese Zeit taucht auf keiner Rechnung auf.
Sie wird nicht berechnet.
Und trotzdem gehört sie zu jedem einzelnen Auftrag.
Bevor ich überhaupt einen Preis nennen kann, beginnt häufig bereits die eigentliche Arbeit:
- Lieferanten vergleichen
- verschiedene Hersteller prüfen
- Materialqualitäten vergleichen
- Muster bewerten
- Erfahrungen anderer Unternehmen einholen
- Lieferzeiten kontrollieren
- Preisentwicklungen beobachten
- Alternativen suchen
- Verfügbarkeiten prüfen
- Versandkosten vergleichen
- Druck- und Materialeigenschaften vergleichen
Gerade heute verbringe ich teilweise mehr Zeit mit der Recherche, als später mit der eigentlichen Produktion.
Warum?
Weil ich meinen Kunden nicht einfach das erstbeste Produkt verkaufen möchte.
Ich suche Produkte, mit denen ich selbst zufrieden wäre.
Produkte, die qualitativ überzeugen.
Produkte, hinter denen ich stehen kann.
Und gleichzeitig versuche ich, den Preis so fair wie möglich zu halten.
Diese Zeit bezahlt mir niemand.
Ich investiere sie trotzdem – weil sie am Ende die Qualität des Ergebnisses bestimmt.
Warum Angebote nicht ewig gültig sein können
Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, dass ein Angebot auch Monate später noch unverändert gilt.
Leider funktioniert das heute nicht mehr.
Wenn ich heute ein Angebot kalkuliere, basiert es auf den Preisen und der Verfügbarkeit zum heutigen Zeitpunkt.
Meldet sich ein Kunde erst acht oder zehn Wochen später wieder, kann sich inzwischen vieles verändert haben:
- der Rohling ist nicht mehr verfügbar,
- der Einkaufspreis wurde erhöht,
- Versandkosten haben sich verändert,
- Lieferanten haben ihre Preise angepasst,
- neue Einfuhrkosten sind hinzugekommen,
- oder ein Material wird gar nicht mehr produziert.
Dann muss ich neu kalkulieren.
Nicht, weil ich plötzlich mehr verdienen möchte.
Sondern weil sich meine eigenen Einkaufskosten verändert haben.
Warum Lieferzeiten heute länger sein können
Auch dieser Punkt wird häufig unterschätzt.
Früher konnte man viele Produkte innerhalb weniger Tage nachbestellen.
Heute sieht das oft ganz anders aus.
Steigen Importkosten, ändern sich Lieferketten oder werden Bestellungen zurückgehalten, entstehen schnell Engpässe.
Die Folge:
- Rohlinge sind ausverkauft.
- Textilien fehlen in bestimmten Größen oder Farben.
- Druckmaterialien sind nicht lieferbar.
- Ersatzteile haben plötzlich mehrere Wochen Lieferzeit.
- Großhändler warten selbst auf Nachschub aus dem Ausland.
Deshalb kommt es immer häufiger vor, dass Produkte erst nach mehreren Kalenderwochen wieder verfügbar sind.
Nicht, weil Händler nicht liefern möchten.
Sondern weil sie selbst auf ihre Lieferanten warten.
„Dann bestell doch einfach woanders.“
Auch das klingt zunächst einfach.
In der Realität kaufen jedoch viele Großhändler ihre Ware bei denselben Herstellern oder denselben Produktionsstätten.
Ist dort ein Engpass entstanden, betrifft das oft den gesamten Markt.
Ein anderer Händler bedeutet deshalb nicht automatisch eine schnellere Lieferung.
Manchmal wartet die komplette Branche auf dieselbe Lieferung.
Planung wird immer wichtiger
Aus diesem Grund versuche ich, wichtige Materialien frühzeitig einzukaufen und Lagerbestände aufzubauen.
Doch auch das hat Grenzen.
Ein kleines Unternehmen kann nicht jedes Material, jede Farbe, jede Größe und jeden Rohling in unbegrenzter Stückzahl auf Lager legen.
Das würde enorme Lagerkosten verursachen und Kapital binden.
Deshalb bin auch ich auf funktionierende Lieferketten angewiesen.
Wenn sich dort etwas verändert, wirkt sich das früher oder später auf Lieferzeiten und Preise aus.
Ein persönliches Wort
Ich bin kein Großkonzern.
Ich bin ein kleines Unternehmen aus der Region.
Jeder Auftrag bedeutet Vertrauen.
Deshalb verspreche ich euch:
Wenn ich günstiger einkaufen kann, profitieren auch meine Kunden davon.
Wenn ich bessere Lieferanten finde, nutze ich sie.
Wenn ich Kosten einsparen kann, tue ich das.
Aber ich verspreche euch auch Ehrlichkeit.
Wenn sich gesetzliche Rahmenbedingungen ändern, Lieferketten teurer werden oder neue Importkosten entstehen, dann kann ich diese Kosten nicht dauerhaft aus eigener Tasche bezahlen.
Nicht, weil ich es nicht möchte.
Sondern weil ein Unternehmen nur dann langfristig bestehen kann, wenn es wirtschaftlich arbeitet.
Transparenz statt Ausreden
Mir ist wichtig, dass Kunden verstehen, warum sich Preise verändern.
Nicht, um Mitleid zu bekommen.
Sondern weil hinter jedem Produkt weit mehr steckt als nur ein Preisschild.
Wenn ihr also künftig feststellt, dass ein Shirt, ein Patch, eine Tasse oder ein Werbeartikel etwas mehr kostet als noch vor einem Jahr, dann wisst ihr:
Dieser Preis entsteht nicht aus Willkür.
Er ist das Ergebnis einer Lieferkette, die sich in den letzten Jahren grundlegend verändert hat.
Und genau deshalb werde ich auch in Zukunft lieber offen erklären, warum etwas teurer geworden ist, als einfach stillschweigend den Preis zu erhöhen.
Wer regionale Unternehmen unterstützen möchte, unterstützt nicht nur den Verkäufer. Er unterstützt auch die Möglichkeit, individuelle Produkte, persönliche Beratung und flexible Lösungen weiterhin vor Ort anbieten zu können. Denn auch kleine Unternehmen stehen heute unter demselben wirtschaftlichen Druck wie ihre Kunden.
Norman Kamradt
